Heute wurde Ibrahim B. wegen Mordes und vorsätzlicher Körperverletzung am damals fünfjährigen Dano zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Somit endet nach fünf langen Verhandlungstagen ein von Emotionen geprägter Mordprozess, den ich -nach Abschluss meiner offiziellen, journalistischen Berichterstattung- nun aus höchsteigener, persönlicher Sicht kommentieren möchte.
Als Dano verschwand fiel mein Verdacht sehr schnell auf Ibrahim B., denn bereits im Jahre 2011 hatte ich ihn im ungeklärten Fall der Jenisa Muja im Fokus. Ich wurde damals gebeten, mich mit dem Fall journalistisch zu beschäftigen und kam nach umfangreichen Recherchen zu dem Ergebnis, dass durch öffentlichen Druck der Medien ein Wiederaufnahmeverfahren gegen B. erzwungen werden müsse. Trotz massiver Medienberichterstattung lehnte das Oberlandesgericht Celle dennoch ein Wiederaufnahmeverfahren gegen B. ab. Die Beweislage im Falle Jenisa reiche nicht aus um B. einer Straftat gegen Jenisa überführen zu können. Bis heute ist mir diese Entscheidung, die es in unserem Rechtsstaat nun einmal zu respektieren gilt, suspekt. Zugegeben: zum damaligen Zeitpunkt gab es keine Leiche. Aber: man hätte aus meiner Sicht auch eine simple Kindesentziehung anklagen können um dann zu schauen, was sich im Rahmen einer Beweisaufnahme ergeben würde. Natürlich bin ich kein Jurist, aber es war ja nun beileibe nicht so, als hätte es keine konkreten Verdachtsmomente, Spuren sowie subjektive und objektive Tatbestandsmerkale gegeben. Ich bin auch heute noch überzeugt davon, dass ein Wiederaufnahmeverfahren im Laufe des Prozesses weitere Beweise geliefert hätte die für eine Verurteilung B.´s gereicht hätten um ihn "aus dem Verkehr zu ziehen".